Was ist das Flowgefühl und wie kann ich es erleben?

Der Flow ist eine Art Schaffensrausch, der entsteht, wenn man fokussiert, mit Freude und einem klaren Ziel an einer Sache arbeitet. Man kann ihn bei Ärzten während einer fordernden OP beobachten, bei Musikern, die ein Werk komponieren, oder bei sich selbst, wenn man einer Aktivität nachgeht und dabei alles um sich herum vergisst.

Der 1934 als Sohn eines ungarischen Konsuls geborene Mihály Csíkszentmihályi, beschäftigte sich schon in seiner Jugend mit der Frage was Menschen glücklich macht. Eine Begegnung mit Carl Gustav Jung, dem Schweizer Begründer der analytischen Psychologie, weckte sein Interesse für diese Wissenschaft. Er studierte Kreativität und Glück so intensiv wie kaum ein anderer und wurde in den 1970er-Jahren mit seiner Theorie über den Flow zum Schöpfer der Glücksforschung.

In diesem Video aus dem Jahr 2008 erklärt er in knapp 20 Minuten sehr anschaulich wie er zu der Glücksforschung kam, welche Voraussetzungen für das Flow-Gefühl erfüllt sein müssen und welches Ziel er mit seiner Arbeit verfolgt.

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In diesem Artikel habe ich die wichtigsten Punkte für euch zusammengefasst. Beginnen wir mit den vier Bedingungen für das Erreichen des Flowzustands.

Vier Voraussetzungen für das Flow-Gefühl

1. KONZENTRATION

Der Flow erfordert von dir deine vollkommene Aufmerksamkeit. Du musst alle Ablenkungen ausschalten und dich auf deine Tätigkeit einlassen. Also kein Fernseher, der nebenbei läuft, kein Handy, das alle paar Minuten vibriert, und keine anderen Verpflichtungen, die dich zu Unterbrechungen zwingen. Du benötigst also Raum und Zeit nur für dich.

2. INNERE KLARHEIT

Es wichtig, dass du weißt, was genau du mit deiner Tätigkeit erreichen möchtest. Du solltest also ein klares Ziel haben, jedoch – ganz wichtig! – ohne dich dabei unter Druck zu setzen, sondern nur um es dir selbst bewusst zu machen. Deine Aufgabe sollte darüber hinaus auch im Einklang mit deinen persönlichen Werten sein.

Flow-Gefühl Diagramm

3. MACHBARKEIT

Dein Tun sollte dich fordern, aber nicht überfordern. Du musst dir also absolut sicher sein, dass dein Ziel für dich erreichbar ist.

Auf dieser Grafik sind die unterschiedlichen Gefühlszustände, die wir bei der Ausführung von Tätigkeiten empfinden können, dargestellt. Je weiter oben sie positioniert sind, desto größer ist die Herausforderung für uns. Je weiter rechts sie im Diagramm liegen, desto besser sind unsere Fähigkeiten in dem Bereich.

Überlege dir Beispiele für jeden Bereich, die auf dich persönlich zutreffen!

Hier habe ich ein paar meiner eigenen Einschätzungen eingefügt:

Flow Gefühl Diagramm
Flow Gefühl Diagramm

Damit du das Flow-Gefühl erleben kannst, sollte die gewählte Aufgabe im rechten, oberen Bereich liegen. Du solltest dich also bereits gut damit auskennen und trotzdem noch gefordert sein bei der Umsetzung.

4. SELBSTMOTIVATION

Der Wunsch dein Ziel zu erreichen muss aus dir selbst kommen. Das bedeutet, die Tätigkeit an sich muss dir so viel Freude bereiten, dass du keine andere Belohnung benötigst. Das heißt natürlich nicht, dass diese Beschäftigung keine weitere Anerkennung – wie zum Beispiel eine Bezahlung oder Lob – mit sich bringen darf, solange die Hauptmotivation dein eigener Wille ist.

Drei Merkmale des Flow-Gefühls

1. BEGEISTERUNG

Wenn du im Flow arbeitest, bist du in absoluter Hochstimmung. Die Aufgabe geht dir leicht von der Hand und du siehst laufend deine Fortschritte. Manche beschreiben den Zustand auch als Trance oder Ekstase. Warum fühlen sich bestimmte Aktivitäten so gut an, dass wir uns dabei selbst verlieren?

Diese wunderbare Erfahrung ist eigentlich ganz einfach zu erklären – sie hat mit unserer begrenzten Aufmerksamkeitsspanne zu tun. Etwa 50 Bits bewältigt unser Bewusstsein pro Sekunde. Wird diese Kapazität vollständig von unserer aktuellen Tätigkeit in Anspruch genommen, können keine weiteren Informationen parallel verarbeitet werden.

Wenn wir also vollkommen in unser Tun vertieft sind, fühlt es sich so an, als ob wir selbst gar nicht mehr existieren. Wir empfinden keinen Hunger, werden nicht müde und überhören Rufe aus dem Nebenzimmer. Wir sind wie „in Trance“.

2. GELASSENHEIT

Es gibt keine negative, innere Stimme, die sich einmischt und dich am Endergebnis zweifeln lässt. Du hast die Situation vollkommen im Griff und bist ganz im Moment.

3. ZEITLOSIGKEIT

Kennst du das Gefühl, wenn Stunden wie Minuten verfliegen? Das ist auch ein Merkmal des Flows. Man befindet sich in einem zeitfreien Modus.

Drei Tipps rund um das Flow-Gefühl

1. VERMEIDE UNTERBRECHUNGEN!

Wenn du merkst, dass gerade alles wie am Schnürchen läuft, dann nutze diese Phase voll aus. Lass dich nicht ablenken oder unterbrechen. Nicht mal „nur kurz“ aufs Handy schauen, denn sobald du deinen Fokus von der aktuellen Tätigkeit auf etwas anderes verlagerst, geht der Flow verloren.

2. ACHTE AUF DEINEN TAGESRHYTHMUS!

Es gibt Morgenmenschen und es gibt normale Menschen. Sorry, der musste jetzt sein! Aber ganz im Ernst: Jeder von uns hat seinen individuellen Biorhythmus. Eine innere Uhr, die uns sagt, wann es Zeit ist aufzuwachen, zu essen oder schlafen zu gehen.

Gemäß unserer Leistungskurve schwanken unsere Motivation, Konzentration und Produktivität. Wenn du ein paar Tage lang beobachtest wann im Tagesverlauf du voller Energie bist und wann du Zeit zum Durchschnaufen brauchst, kannst du dir deine individuelle Leistungskurve zeichnen und deinen Tag so gut es geht danach einteilen.

So sieht das bei mir im Moment aus.

Eine Vorlage zum Aufzeichnen deiner persönlichen Leistungskurve kannst du dir hier kostenlos herunterladen und ausdrucken:

egocreo Leistungskurve
Inspiration Kreidefarbe

3. FOLGE DEINER INSPIRATION!

„Das muss ich noch machen“, hab ich mir jedes Mal gedacht als ich bei meiner abgenutzten Wandkonsole im Vorzimmer vorbeigegangen bin. Gemeint war, dass ich sie neu lackieren wollte. Passiert ist lange nichts.

Warum haben kreative Menschen meist einen Notizblock oder ihr Smartphone dabei, um spontane Ideen festzuhalten? Weil sie wissen, dass Inspiration nicht planbar ist. Dabei geht es nicht darum jedes Projekt gleich bis ins letzte Detail auszuarbeiten, ein Flow kann manchmal auch nur ein paar Minuten dauern.

Ideen, auf die man sofort reagiert, werden mit höherer Wahrscheinlichkeit erfolgreich umgesetzt. Daran hab ich auch gedacht, als ich zum letzten Mal meinen üblichen inneren Dialog mit der Wandkonsole hatte. Darum stand ich keine fünf Minuten später mit Pinsel und Kreidefarbe bewaffnet im Vorzimmer.

Noch nicht ganz perfekt, aber der aktuelle Projektstatus kann sich schon sehen lassen!